Beat Drittenbass
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Am 14. Juni entscheidet es sich zwischen Antonio Cipolletta (l.) und Silvio Gablick, wer der neue Präsident der Primarschule wird. Bild: mm
Am 14. Juni wird in Au-Heerbrugg ein neuer Schulpräsident der Primarschule bestimmt. Der «Rheintaler Bote» hat den Kandidaten auf den Zahn gefühlt.
Weshalb kandidieren Sie für das Amt des Schulpräsidenten?
Silvio Gablick: Ich kandidiere, weil mir eine starke und zukunftsfähige Schule am Herzen liegt. Mit der Einheitsgemeinde stehen wir vor einem wichtigen Umbruch, der gut gestaltet werden muss. Gerade in dieser Phase braucht es eine verlässliche und klare Stimme für die Schule – diese Verantwortung möchte ich übernehmen und aktiv gestalten.
Antonio Cipolletta: Meine zwei Kinder gehen in Au zur Schule, das ist mein persönlicher Antrieb. Per 1. Januar 2027 übernimmt der Schulpräsident gleichzeitig ein Mandat im Gemeinderat. Diese Doppelrolle braucht jemanden, der von Anfang an in beiden Welten handlungsfähig ist. Schule und Gemeinde brauchen jemanden, der die Brücke baut. Ich habe bereits damit begonnen.
Welche Vorteile bringt es Ihnen für die Kandidatur, bereits jetzt Teil des Schulrates zu sein?
Gablick: Ich kenne die Schule aus dem Alltag heraus und weiss, auch als Vater von zwei Kindern, wo sie gut funktioniert und wo Herausforderungen liegen. Dieses Verständnis hilft, realistische Lösungen zu entwickeln und fundierte Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig ermöglicht mir die Erfahrung, Themen frühzeitig zu erkennen und gezielt anzugehen. Genau diese Perspektive möchte ich auch im Gemeinderat einbringen.
Welche Vorteile bringt es Ihnen für die Kandidatur, bereits jetzt Teil des Gemeinderates zu sein?
Cipolletta: Der Vorteil liegt nicht nur im Bekanntsein. Ich kenne die Entscheidungswege, weiss wie Anliegen im Gemeinderat formuliert sein müssen, um Gehör zu finden, und habe das Vertrauen der Ratsmitglieder bereits aufgebaut. Das lässt sich nicht in wenigen Monaten nachholen. Zudem weiss ich durch die bisherige Zusammenarbeit mit der Schule, wo die Schnittstellen bisher nicht reibungslos funktioniert haben. Genau dort will ich ansetzen.
Welche Vor- und Nachteile bringt der Zusammenschluss der politischen und Schulgemeinde ab 1. Januar 2027?
Gablick: Die Einheitsgemeinde bietet Chancen, insbesondere bei der besseren Abstimmung zwischen Gemeinde und Schule sowie bei der Nutzung von Synergien. Bei den Entscheidungswegen wird sich zeigen, wie die neue Struktur konkret ausgestaltet wird. Bisher waren diese im Schulrat sehr direkt und effizient. Entscheidend ist deshalb, dass die Bildungskommission mit klaren Kompetenzen ausgestattet wird, damit die Schule auch künftig handlungsfähig bleibt und Entscheidungen weiterhin zeitnah getroffen werden können. Die Schule darf in der neuen Struktur nicht einfach ein Bereich unter vielen werden. Gute Bildung braucht klare Zuständigkeiten, kurze Entscheidungswege und genügend Handlungsspielraum. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die schulischenAnliegenimneuenGefügeweiterhingutvertretensindunddieQualität der Entscheidungen erhalten bleibt. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten und gelebte Verantwortung – nicht nur neue Strukturen.
Cipolletta: Die bisherige Trennung hatte den gravierenden Nachteil, dass sich die Schule und die politische Gemeinde abgestimmt haben, aber nicht als System planen konnten. Das ändert sich ab dem 1. Januar 2027. Die Einheitsgemeinde erlaubt und verpflichtet zu gemeinsamer Schulraumplanung, koordinierter Ressourcenplanung und klaren Verantwortlichkeiten. Der Wechsel von «wir und ihr» zu «uns» wird dabei entscheidend sein. Diese Herausforderung, zwei Welten zusammenwachsen zu lassen, braucht Zeit und Führung und darf nicht unterschätzt werden.
Was macht für Sie eine gute Primarschule aus?
Gablick: Eine gute Schule bietet verlässliche Rahmenbedingungen, motivierte Lehrpersonen und Kinder, die gerne lernen. Als Vater von schulpflichtigen Kindern weiss ich aus eigener Erfahrung, wie entscheidend diese Faktoren sind. Wenn sich alle Beteiligten wohlfühlen und ernst genommen werden, entsteht eine Umgebung, in der Entwicklung möglich ist. Qualität zeigt sich oft im Alltag – in funktionierenden Abläufen, klarer Führung und einem guten Miteinander.
Cipolletta: Kinder die gerne hingehen. Für mich als Vater präsentiert sich eine gute Primarschule durch motivierte Lehrpersonen, welche durch ihre Freude an der Arbeit die Kinder motivieren und begeistern. Diese Motivation braucht ein Umfeld, in dem sich Lehrpersonen und die Mitarbeiter im administrativen Bereich gegenseitig unterstützen. Ein Umfeld, in dem ein echtes Wir Gefühl herrscht. Ich durfte selbst in so einem Team arbeiten und weiss, wie wertvoll es ist, wenn man die Herausforderungen nicht alleine bewältigen muss. Und schliesslich müssen die Eltern regelmässig informiert und eingebunden sein. Sie tragen die Verantwortung für ihre Kinder und haben ein Recht darauf, zu wissen, was in der Schule passiert.
Worin sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen?
Gablick: Der Fachkräftemangel bei den Lehrpersonen und die langfristige Schulraumplanung gehören zu den zentralen Themen. Gleichzeitig gilt es, die Schule kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf neue Anforderungen auszurichten. Dabei ist entscheidend, dass wir trotz dieser Herausforderungen handlungsfähig bleiben und klare Prioritäten setzen.
Cipolletta: Die Fusion zur Einheitsgemeinde ist Kulturarbeit. Das erfordert Geduld von allen Seiten und ist die Grundlage für alles Kommende. Das Bevölkerungswachstum stellt die Schulraumplanung vor die Frage, wo wir in zehn oder zwanzig Jahren unterrichten. Diese Planung hat gestartet und muss intensiv weitergeführt werden. Die Frühförderung ist ein wirksames Instrument, das Kinder besser auf den Eintritt in den Kindergarten vorbereitet und später kostspielige Massnahmen reduziert. Sie steckt noch in der Startphase und hat Potenzial, das ausgeschöpft werden muss. Und schliesslich eine langfristige, nachhaltige Finanzplanung. Es klingt technisch. Sie ist aber das Fundament für Lehrpersonen, die Stabilität brauchen, für Eltern und Steuerzahler, die Verlässlichkeit erwarten.
Welche Themen möchten Sie in naher Zukunft voranbringen?
Gablick: Für mich ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Finanzen zentral. Die Kosten müssen im Blick behalten und gezielt gesteuert werden. Gleichzeitig dürfen notwendige Investitionen in eine gute Schule nicht vernachlässigt werden. Es geht darum, mit Augenmass zu entscheiden und die Mittel dort einzusetzen, wo sie für die Schülerinnen und Schüler den grössten Nutzen bringen.
Cipolletta:Die Analyse und Stabilisierung der Finanzen ist nicht verhandelbar und ist Voraussetzung für alles Andere. Bei der Frühförderung will ich die laufende Umsetzung aktiv vorantreiben. Die konzeptionelle Arbeit ist getan. Jetzt geht es darum, die Massnahmen in den Alltag zu bringen und ihre Wirkung zu überprüfen. Beim Schulraum geht es um die strategischen Weichenstellungen. Welche Standorte brauchen wir langfristig? Wann müssen wir handeln, um teure Notlösungen zu verhindern? Diese Planung will ich in meiner Amtszeit konkret vorantreiben.
Kürzlich befasste sich die St. Galler Bildungspolitik mit dem Thema eines kantonalen Handyverbotes. Welche Rolle sollen Digitalisierung und neue Lernformen künftig spielen?
Gablick: Ein pauschales Verbot greift zu kurz. Entscheidend ist, dass Kinder lernen, verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen. Das ist eine zentrale Kompetenz für ihre Zukunft – und darauf müssen wir sie gut vorbereiten. Die Schule hat hier auch einen Bildungsauftrag: Sie soll Orientierung geben und einen reflektierten Umgang vermitteln.
Cipolletta: Digitale Kompetenz gehört in die Schule. Das verlangt der Lehrplan und der Alltag, auf den unsere Kinder vorbereitet werden. Wichtig ist jedoch, Technik ist kein Selbstzweck. Die Technik alleine macht noch keinen besseren Unterricht. Was zählt, sind die Lehrperson und ein klares Konzept. Kinder müssen zuerst lesen, schreiben und rechnen lernen. Mit Stift, Papier und einer Lehrperson, die für sie da ist. In den höheren Klassen sollen die digitalen Werkzeuge dort genutzt werden, wo sie dem Lernprozess einen Vorteil bringen, nicht überall wo es möglichwäre.DasEntscheidendedabeiistdieBegrenzungderBildschirmzeit. Dies gilt für die Schule wie auch für den Gebrauch zu Hause und muss aufeinander abgestimmt sein.
Frage von Antonio Cipolletta an Silvio Gablick: Die Nettokosten pro Schüler sind gestiegen – wo sehen Sie Potenzial?
Gablick: Die Erwartung, die Kostenentwicklung besser zu steuern, ist nachvollziehbar. Mit der Einheitsgemeinde ergeben sich Chancen, Synergien zu nutzen und Abläufe effizienter zu gestalten, etwa in administrativen Bereichen oder beim Einkauf. Gleichzeitig müssen wir berücksichtigen, dass gewisse Kosten von übergeordneten Stellen beeinflusst werden und nicht direkt gesteuert werden können. Entscheidend ist für mich, dass wir dort konsequent hinschauen, wo wir Einfluss haben. Sparen um jeden Preis darf nicht das Ziel sein. Entscheidend ist, dass die eingesetzten Mittel dort wirken, wo sie den Kindern und dem Unterricht konkret zugutekommen.
Frage von Silvio Gablick an Antonio Cipolletta: Sie sind bereits Mitglied des Gemeinderats und kandidieren nun für das Amt des Schulpräsidenten. Wie stellen Sie sicher, dass die pädagogischen Anliegen der Schule auch dann verlässlich vertreten bleiben, wenn auf Gemeindeebene finanzielle oder politische Überlegungen in eine andere Richtung gehen?
Cipolletta: Die kurze Antwort: weil es meine Kernaufgabe als Schulpräsident ist und weil die Struktur ab 2027 genau das ermöglicht. Die entscheidende Erkenntnis ist: Schule und Politische Gemeinde sind ab dem 1. Januar 2027 eine Einheit. Der Schulpräsident ist dannTeil des Gemeinderats, nicht sein Gegenüber. Diese Einstellung habe ich bereits seit dem Bürgerentscheid. In der Praxis bedeutet das, die Bildungskommission, deren Vorsitz der Schulpräsident innehat, erarbeitet pädagogische Anliegen sorgfältig und mit klarer Argumentationsbasis. Diese Anliegen bringt der Schulpräsident dann direkt in den Gemeinderat ein. Nicht als Bittsteller von aussen, sondern als stimmberechtigtes Mitglied mit Kenntnis beider Seiten und als Verantwortlicher der Schule. Ich sitze heute bereits im Gemeinderat. Ich kenne die Abläufe, die Ratskollegen und weiss, wie Argumente wirksam platziert werden. Dieses Wissen steht mit mir als Schulpräsident ab dem ersten Tag im Dienst der Schule.
Von Manuela Müller
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