Beat Drittenbass
lanciert in der Ostschweiz Veranstaltungen für die ältere Generation
(v.l.) Mirco Rossi, Kantonsrat und Präsident der Werdenberger Jagdvereinigung, Peter Weigelt, Präsident RevierJagd St. Gallen, Barbara Hubschmied, Obfrau RHG 2 (Sarganserland und Stephan Schädler, Präsident des Jägervereins Toggenburg setzen sich für die Weiterführung der Rothirsch-Hegegemeinschaften ein. mm
Die Verantwortung des Rotwildmanagements soll bei den Jägern und deren Hegegemeinschaften bleiben. Die RevierJagd St.Gallen ist überzeugt von ihrem Vorhaben und ist gewillt, auch gewisse Anpassungen vorzunehmen.
Kanton Sie kennen den Wald wie ihre Westentasche, kennen jeden Stein, jeden Baum und die Tiere, die sich in ihrem Revier befinden. Trotz allem möchte der Kanton die Verantwortung des Rotwildmanagements raus aus den Hegegemeinschaften nehmen und direkt mit den 144 Revieren und Jagdgesellschaften über das Abschussziel kommunizieren. «RevierJagd St.Gallen (RJSG) begrüsst wesentliche Teile der Revision des kantonalen Jagdgesetzes», schreibt der Dachverband der St.Galler Jägerinnen und Jäger. Insbesondere unterstütze die St.Galler Jägerschaft die Entlastung der Jagd von den Kosten des Wolf- und Bibermanagements, verschiedene Anpassungen an das Bundesrecht sowie die Zusammenführung der Jagdkommission mit der Wald-, Wild- und Lebensraumkommission. Deutlich kritisch beurteile RJSG hingegen die vorgesehene Abschaffung der Rothirsch-Hegegemeinschaften (RHG). Diese sollen durch eine stärkere Zentralisierung in der Jagdverwaltung ersetzt werden. «Wir anerkennen, dass das Rothirschmanagement weiterentwickelt werden muss. Die Lösung liegt jedoch nicht in einer Verstaatlichung der Verantwortung mit nicht ausgewiesenen Folgekosten, sondern in der Stärkung der bewährten revierübergreifenden Zusammenarbeit durch die bestehenden Rothirsch-Hegegemeinschaften», erklärt RJSG-Präsident Peter Weigelt. So sollen die Abschussziele laut Weigelt nicht in der St.Galler Amtsstube definiert, sondern im Austausch der Jägerinnen und Jäger gesetzt werden. «Die Auflösung der RHG würde diese grossräumige Betrachtung nicht erleichtern, sondern tendenziell schwächen», ist sich Weigelt sicher.
Die St.Galler Revierjagd basiere seit Jahrzehnten auf einem einfachen Grundsatz: Der Kanton definiert die Ziele, die Jagdgesellschaften tragen die Verantwortung für deren Umsetzung. «Dieses Milizsystem hat sich bewährt», erklärt Weigelt. Die Jägerinnen und Jäger übernehmen jährlich Tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit zugunsten von Wildtieren, Lebensräumen und Allgemeinheit. Sie regulieren Wildbestände, helfen bei Wildunfällen, engagieren sich für Lebensräume, leisten Beiträge an das Wildtiermonitoring und arbeiten eng mit Landwirtschaft, Forst und Behörden zusammen. Gleichzeitig finanziert die Jägerschaft einen erheblichen Teil dieser öffentlichen Aufgaben über Jagdpacht von ungefähr 1,7 Millionen Franken pro Jahr und Abgaben selbst. «Kaum ein anderer Bereich des Service Public verbindet so viel Eigenverantwortung, ehrenamtliches Engagement und Eigenfinanzierung wie die St.Galler Revierjagd», hält Weigelt fest.
RJSG teilt die Auffassung, dass
das Rothirschmanagement laufend überprüft und verbessert werden muss. Die Ursachen der heutigen Herausforderungen lägen jedoch nicht allein bei der Jagd. So ist der Lebensraum der Tiere fast 24/7 und sowohl im Sommer als auch im Winter Störungen unter anderem durch Wandern, Skitouren, Veranstaltungen, freilaufende Hunde, Forstarbeiten oder der landwirtschaftlichen Nutzung ausgesetzt. Waldbau, Lebensraumqualität, klimatische Veränderungen, Grossraubtiere und weitere Faktoren beeinflussen das Verhalten des Rothirsches ebenso wie die Jagd selbst. «Wer die Wald-Wild-Problematik lösen will, muss den gesamten Lebensraum betrachten und darf die Verantwortung nicht einseitig der Jagd zuschreiben.» RevierJagd St.Gallen wünscht sich ausserdem klare und nachvollziehbare Ziele seitens Kanton. Welche Rothirschpopulation ist unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensräume und Interessen tragbar? Erst wenn diese Zielsetzung geklärt ist, können Abschussvorgaben, regionale Massnahmen und deren Erfolg sachgerecht beurteilt werden. Zusätzlich sei laut dem Dachverband zu beachten, dass der Rothirsch nicht innerhalb von Reviergrenzen lebe. Dieser könne allein in einer Nacht Distanzen von rund 20 Kilometer hinter sich legen. So sei es aus Sicht von RJSG der falsche Weg, Rothirsch-Hegegemeinschaften abzuschaffen. Das Management müsse auch künftig revierübergreifend in den entsprechenden Regionen des Kantons erfolgen.
Anstelle einer Zentralisierung schlägt RevierJagd St.Gallen seit Jahren eine gezielte Weiterentwicklung der heutigen Organisation vor. Die Rothirsch-Hegegemeinschaften sollen bestehen bleiben, aber verbindliche Kompetenzen erhalten, um den Abschuss revierübergreifend zu koordinieren und erforderliche Massnahmen gegenüber den einzelnen Jagdrevieren wirksam durchsetzen zu können. Weigelt betont dabei ganz klar: «Verantwortung ohne Kompetenz ist keine echte Verantwortung.» Weigelt dazu abschliessend: «Wir wehren uns nicht gegen Veränderungen. Wir wehren uns aber klar gegen die Annahme, dass mehr Zentralisierung und Verstaatlichung automatisch bessere Lösungen bringen. Schon gar nicht, wenn die damit verbundenen Kosten nicht transparent ausgewiesen sind. Die St.Galler Revierjagd ist gelebter Service Public – eigenverantwortlich, ehrenamtlich und zu einem erheblichen Teil von der Jägerschaft selbst finanziert.»
Von Manuela Müller
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